Die Initiative „für mich. für uns. für alle.”
fördert ehrenamtliches Engagement in Deutschland

Deutscher Bürgerpreis

1. Preisträger in der Kategorie Alltagshelden

83 Konstanz integriert e. V.

Wohnungen an Flüchtlinge vermitteln

Ein eigenes Zimmer, eine gemütliche WG-Küche, ein eigenes Klingelschild: Dieser Traum wurde in diesem Jahr für knapp 80 Flüchtlinge in Konstanz Wirklichkeit. Für sie hieß es, endlich in Deutschland anzukommen – und nicht nur in Flüchtlingsunterkünften. Denn die eigenen vier Wände sind enorm wichtig, um sich in eine neue Gesellschaft integrieren zu können. Zu verdanken haben sie dies dem ehrenamtlichen Engagement der Initiative „83 – Konstanz integriert“. Sie vermittelt privaten Wohnraum an anerkannte Geflüchtete. Zugleich versteht sie sich als Schnittstelle zwischen Bürgern mit ungenutztem Wohnraum und öffentlicher Verwaltung.

Konstanz hat 83.000 Einwohner. Es müsste also doch möglich sein, dachten sich die Initiatoren des Projektes 83, pro tausend Einwohner ein Zimmer aufzubringen. Unter dem Motto „Zsamme gohts bessr!“ starteten sie ihren Wohnraumvermittlungsservice. Dafür wandten sie sich mit einer aufwendigen Medienkampagne an die Öffentlichkeit. Sie bauten ein Netzwerk auf, um eine qualitative Vermittlung zwischen Geflüchteten und Vermietern zu erreichen. Diese wurden in einer Pilotvermittlung auf ihre Tauglichkeit getestet, sodass die Engagierten schwierige Punkte erkennen und verbessern konnten. Die Initiative baute Kontakte zu Sozialarbeitern sowie dem Jobcenter auf und suchte Paten, die den Vermittlungsprozess begleiten. So stellten sie sicher, eventuell auftretende Probleme sofort angehen und lösen zu können.

Der Erfolg überraschte das Team zuerst selbst: Beinah täglich stieg die Zahl der Vermittlungen. Aber damit auch der Arbeitsaufwand: Allein die ehrenamtliche Wohnraumvermittlungspraxis entspricht dem Umfang von ca. 1,5 Vollzeitstellen. Bis zu einer erfolgreichen Vermittlung ist das Team drei bis sechs Wochen beschäftigt. Um den Flüchtlingen Planungssicherheit zu geben, vermittelt es erst ab einem Zeitraum von zwölf Monaten. Die Miete übernimmt meist das Job-Center. Drei Monate werden Flüchtling und Vermieter von einem Paten begleitet. Nach Ablauf der geplanten Zeit entscheiden beide Parteien, ob sie weiterhin zusammenleben möchten.

Dieses Projekt hat dank seines gut organisierten Konzepts Transferpotenzial für andere Städte und Gemeinden. Für die Vermittler ist der schönste Lohn, wenn die Flüchtlinge dank ihrer neuen Wohnsituation bald besser Deutsch sprechen. Noch mehr freut sich das Team, wenn sie sich auch besser zurechtfinden und vielleicht sogar Arbeit finden.