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Deutscher Bürgerpreis

Preisträger Lebenswerk

Delio Miorandi

Die Integration von italienischen Gastarbeitern vorantreiben

Eigentlich wollte Delio Miorandi nur ein Jahr in Deutschland bleiben. Geboren 1938 in Rovereto kam er 1959 als Soziologiestudent mit einem Stipendium nach Deutschland. Er wohnte in Frankfurt am Main in einer WG und hörte Vorlesungen. Bald sprach er so gut Deutsch wie Italienisch. Trotzdem plagte ihn das Heimweh. So machte er sich auf die Suche nach seinen Landsleuten. Die meisten waren als Gastarbeiter ins Land gekommen. Er fand sie im Frankfurter Industriegürtel in Baracken. Sie lebten ausgegrenzt, ausgebeutet und als Spaghettifresser beschimpft. Spontan mischte er sich ein und half. So blieb er – mit einer deutschen Frau, vier Kindern und seinem unermüdlichen Engagement für die Belange von Gastarbeitern. Er schuf Strukturen, die Integration erst denkbar werden ließen.

Nach Ende seines Studiums fand Miorandi Arbeit beim Caritas-Verband. Dort war er bis zu seiner Pensionierung 2003 tätig. Er eröffnete eine Beratungsstelle für Italiener in Rüsselsheim. Dort leitete er auch ein „Centro Italiano“ als Freizeit- und Bildungsstätte für Deutsche und Italiener. Außerdem war er an der Gründung italienischer Familienvereine beteiligt. 1963 trat er der Europa-Union bei. Unter seiner Federführung machte sie die Integrationsarbeit zu ihrem Schwerpunktthema. Miorandi leitete eine von ihm gegründete italienische Sektion mit 500 Mitgliedern. Er kümmerte sich um die Verbesserung der Schul- und Wohnsituation ausländischer Arbeitnehmer, organisierte Demonstrationen und klärte Zugewanderte über ihre Rechte, aber auch ihre Pflichten auf. Mit einem Partnerstädte-Programm trug er zur Völkerverständigung bei. Er wirkte in mehreren Ausländerbeiräten mit und gründete 1970 den bundesweiten „Verein zur Förderung der ausländischen Arbeitnehmer in Deutschland“. Dessen Vorsitz übernahm der Engagierte auch. Außerdemwar er von 1971 bis 1974 Ideengeber und Verantwortlicher für die „Gazetta Europea“. Sie war eine wöchentliche Beilage der Rüsselsheimer Tageszeitung „Main-Spitze“.

Um eine Ghettoisierung italienischer Kinder in einem Kindergarten zu verhindern, bat er die Kirche, Einfluss auf Politik und Medien auszuüben. Diese und andere Situationen beschrieb er nach seiner Pensionierung in zwei Büchern: „Antonio – Vom Eselspfad ins Wirtschaftswunder“ und „Antonio – im Land der Verheißung“. Seit 2012 liest er regelmäßig aus dem Gastarbeiterepos. Es ist das Zeugnis eines organisch gewachsenen Integrationsprozesses.