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Deutscher Bürgerpreis

Erstplatzierte in der Kategorie Alltagshelden

Die Zeitschrift der Straße – Bremen

Ein Bremer Obdachlosen-Magazin verbindet die Gesellschaft

Die Bilder in deutschen Großstädten gleichen sich oft: Obdachlose müssen Passanten um Geld bitten, um sich etwas zu essen besorgen zu können. Oder sie haben das Glück, eines der Obdachlosen-Magazine zu verkaufen. Das bietet ihnen nicht nur eine Aufgabe, sondern auch Tagesstruktur, Zugehörigkeit, Anerkennung – und ein zwar bescheidenes, aber immerhin eigenes Einkommen. Außerdem sensibilisieren die Inhalte der Magazine die Bevölkerung für das Leben auf der Straße. Sie zeigen Lösungsansätze auf und animieren obendrein zu engagiertem Handeln.

In Bremen sind ehrenamtlich und studentisch organisierte junge Menschen noch einen entscheidenden Schritt weiter gegangen: Sie gründeten die „Zeitschrift der Straße“ anfänglich zwar auch als Reaktion auf den schwindenden gesellschaftlichen Zusammenhalt. Heute ist es aber ein höchst innovatives Lernprojekt, das Studierende auf die realen Herausforderungen ihres Berufs vorbereitet. Das Projekt vernetzt 350 Studierende fünf Bremer Hochschulen mit rund 900 registrierten Straßenverkäufern. Ein ehrenamtliches Vertriebsteam und Sozialarbeiter unterstützen sie. Die soziale Arbeit hat der Verein für Innere Mission in Bremen (Diakonie) übernommen. Er ist auch Herausgeber der Zeitschrift. Neben Printausgabe und Webseite gibt es einen Twitter-, einen Facebook- und einen YouTube-Kanal. Sie informieren über Aktuelles und stellen Mitarbeiter vor.

Darüber hinaus stiftet die „Zeitschrift der Straße“ Beziehungen zwischen Menschen verschiedener sozialer Schichten. Denn sie führt Jugendliche an ehrenamtliches Engagement heran und schafft Synergien zwischen Bildungsapparat und Zivilgesellschaft. Diese Synergien haben nun weitere Früchte getragen: 2016 entstand die „Uni der Straße“, die ebenfalls Studierende verwalten. Sie ist ein Aktivierungs- und Bildungsprogramm für obdachlose und andere sozial benachteiligte Menschen. Außerdem gibt es „Perspektivwechsel“-Stadtführungen: Teams ehemaliger Obdachloser und ehrenamtliche Assistenten führen sie durch. Dabei informieren sie über Obdachlosigkeit und soziale Hilfsangebote.

Die Jury des Deutschen Bürgerpreises hat dieses Projekt nominiert, da es weit über das sonst bekannte Konzept der Obdachlosenzeitungen hinausgeht. Ausschlaggebend sei zudem, dass sich unterschiedlichste Menschen miteinander vernetzen – und die Obdachlosen sind dabei ein zentraler Teil.